Wie schreibe ich ein Buch? Ein Blick hinter die Kulissen eines Autors

Anfang dieses Jahres habe ich mein erstes Buch veröffentlicht.

Über fast acht Jahre hatte ich diesen Wunsch mit mir herumgetragen. Unzählige Ideen wurden aufgerollt und wieder verworfen; und nicht nur einmal hatte ich DIE große Idee. Mein Problem war, dass ich über lange Zeit nicht den Mut aufbringen konnte mir ein Projekt dieser Größenordnung aufzuhalsen. Ein Manuskript anzufangen bedeutete schließlich auch, dass ich es irgendwann mal zu Ende bringen müsste, damit das ganze Sinn machen würde.

Ich wusste nicht über welches Thema ich schreiben sollte. Fiktion oder Realität? Sachbuch? Ratgeber? Was könnte ich anderen beibringen? Memoiren? Bei einer Person unter 30 wohl noch viel zu uninteressant; was habe ich denn schon erlebt. Was könnte ich schreiben, das es so noch nicht gab und doch interessant genug für den Buchhandel wäre?

2016 war dann meine Zeit gekommen. Ich setzte einen Schlussstrich unter mein vorheriges Leben und öffnete damit auch die Toren für eine Buchidee mit großem Potenzial, auch wenn ich mir dessen noch nicht so bewusst war. Die Aufgabe meines alten Lebens, die Gründung meiner Selbstständigkeit und meine abenteuerliche Auswanderung in die USA, ja das sollte genug Stoff sein um ein ganzes Buch zu füllen. In den Momenten, als ich diese ganzen Dinge durchlebt hatte, war mir natürlich nicht bewusst, dass sich dahinter eine lesenswerte Story verbirgt. Erst als ich dann von Außen immer öfter die Frage gestellt bekam, warum ich das alles nicht in ein Buch packen würde, kam ich tatsächlich ins grübeln.  

Massen an Notizen aus dieser Zeit befanden sich auf meinem Laptop. Tagebücher voll von Frust und Erfolgen – 416 Dokumente, jeweils mehrere DIN A4 Seiten, waren mir eine große Hilfe. Ich musste die Geschichte nochmals bis ins kleinste Detail aufrollen um auf meine Erfahrungen aus dieser Zeit detailliert einzugehen. Wenn man innerhalb kürzester Zeit soviel erlebt, verliert man schnell den Überblick über die kleinen, wesentlich wichtigeren Dinge. Und tatsächlich, es gab so den ein oder anderen Moment, denn ich so gar nicht im Kopf hatte. 

Ich war schon immer sehr schreibafin, liebte es mit Worten zu jonglieren und brachte es sogar so weit, dass ich mit Ende 20 den Journalismus zu meinem Hauptberuf machen konnte. Doch obwohl ich viel Ahnung von Schreiben hatte, hatte ich dennoch nicht den blassesten Schimmer, was es tatsächlich bedeutete ein Buch zu schreiben.

Ich wusste nicht wie ich anfangen sollte, wie ich ein Grundgerüst aufbaue, einen roten Faden spinne, oder Techniken anwende um eine Geschichte über 300 Seiten aufzubauen und den Leser zu halten und fesseln. Ich wusste zwar wie man einen Artikel schreibt, üblicherweise hatte der sich aber nach 3000 Wörtern erledigt.

Ich wusste nicht wie ich Flashbacks anwenden sollte, wie ich Charaktere ausarbeite, ob ich von vorn anfange oder die Geschichte rückwärts erzählen sollte? Sollte ich zuerst eine Struktur aufsetzen und ein ganzes Kapitel in einzelne Unterpunkte herunterbrechen, oder sollte ich schreiben wie mich mein Gedanke trieb und zum Schluss die Puzzleteile zusammensetzen?

In diesen Artikel möchte ich nun mit dir die Techniken teilen, die mir dabei geholfen haben mein Buch fertig zu stellen. Ich wünsche dir somit, dass dein Buchprojekt so nicht nur den Anfang, sondern auch ein Ende findet.

1. Höre auf darüber zu lesen wie man schreibt

Eine gute aber auch schlechte Angewohnheit von mir ist, egal welches Projekt in beginne, ich recherchiere erstmals wie man es macht. Wie fange ich an? Welche Tools und Ressourcen nutze ich am besten? Welche Tipps und Strategien können mir erfahrene Menschen an die Hand geben? Einerseits Gottes Segen, andererseits ein Fluch; man wird einfach nie fertig. 

An sich ist diese Taktik nicht verkehrt. Wenn es jedoch nur bei der Recherche bleibt, wird ein Projekt niemals das Licht am Ende des Tunnels sehen. Wie überall gibt Tausende Bücher, Artikel, Videos und Kurse in den verschiedensten Variationen, irgendwann müssen diese Anleitungen aber auch ihre Anwendung finden.

2. Abwarten was passiert

Der Autor sitzt vor seinem Laptop und starrt planungslos auf den Bildschirm und schaut dem Cursor fröhlich beim blinken zu. „Wenn ich nur lange genug davor sitze, dann wird sich die Geschichte schon finden“.

Das habe ich auch versucht – kannst du aufgeben.

Problem:

Ich kannte die Story nicht, also konnte ich auch nicht schreiben. Ich wusste nicht worauf ich wartete. Sicherlich, ich kannte das grobe Thema und ich wusste auch in welche Richtung es gehen sollte, aber ich wusste nicht in welcher Situation ich meinen Anfang finde und wo meine Story endet. Woher weiss ich denn, worauf ich meinen Fokus lege, wenn ich keinen Fokus habe?

Erster Versuch:

Mein erster Entwurf war grauenhaft, ich begann von vorn, also von ganz vorn. Ich erzählte von mir, wo ich geboren wurde, wie ich Aufwuchs und was meine Kindheit ausmachte. Schrecklich... total Thema vorbei. Hatte nur noch gefehlt zu beschreiben wie mein Kaffee schmeckte oder wie ich mein Müsli gerne zum Frühstück hatte.

Zweiter Versuch: 

Ich versuchte in aktuellen Geschehnissen meinen Anfang zu finden. Redete über Medien und was ich im TV sah, das mich inspirierte. Bullshit ... wieder völlig am Thema vorbei. 

Mein Buch sollte sich jedoch um meine Selbstverwirklichung und meinen Weg zum Female Entrepreneuer drehen. 

Mein dritter Versuch saß dann, also zumindest halbwegs. Ich fing an darüber zu schreiben was derzeit in mir los war. Was ich fühlte, was ich vor meinem inneren Auge sah und sehen wollte. 

Der unterschied zu dem was ich vorher geschrieben hatte war, dass ich mich auf mein Seelenleben konzentriert hatte und alles das was um mich passierte ausblendete. Ich versuchte mich nicht mehr auf Menschen in meinem Umfeld zu konzentrieren oder auf das was andere hatten und ich haben wollte, sondern ich fing bei mir an – in meinem tiefen Inneren. 

3. Orientiere dich an anderen Autoren

Was mir außerordentlich geholfen hatte, war auch, dass ich mir die Schreibtechniken von anderen Autoren angeschaut und mich an ihnen orientiert hatte,

Nein, ich habe keine Sätze kopiert, sondern ich habe mir den Stil des Schreibflusses, der Storyline und der Struktur abgeschaut. Wenn dort mit einem Dialog begonnen wurde, habe ich auch mit einem Dialog begonnen. Wenn mit einer Aktion begonnen wurde (z.B. "Sie nahm das Telefon in die Hand und …"), dann hatte ich auch mit einer Aktion den Anfang gemacht.

Ich wollte wissen, wie man gut schreibt, eine Story aufbaut, die Geschichte mit einer guten Balance aus Dialog und Aktionen aufbaut und den roten Faden im Buch beibehält.

Mit dieser Technik fand ich schnell in die Geschichte und die Worte sprudelten einfach nur so aus mir heraus. Die Story wurde lebhaft, die Bilder im Kopf klarer und ich erinnerte mich wieder an die essentiellen Dinge die diese Situationen wieder nahbar für mich machten. Ich nahm sie mit, Story für Story, Erinnerung für Erinnerung.

4. Die Liste mit hilfreichen Tools

Der erste Entwurf meines Buches wurde komplett in Word geschrieben. Damit kannte ich mich aus und musste so nicht mit bösen Überraschungen rechnen (plötzliches Abstützen des Laptops, schließen des Programms oder Formatierungsfehler). Ich machte es mir zur Pflicht, nach jeder vollendeten Seite zwischenzuspeichern damit mir meine Arbeit nicht flöten ging. Nach circa zehn Seiten speicherte ich auch nochmals eine weitere Kopie in Google Drive für alle Fälle. Kein Alptraum eines Autoren ist größer, als wenn er ein Manuskript verliert, das ihn im Aufbau viele Stunden gekostet hat. Und das nur, weil das Schreibprogramm oder der Laptop genau dann den Supergau geplant hat.

 

5. Kreiere eine Struktur in deiner Storyline

In jedem Buchprojekt werden in der Regel verschiedenste Perspektiven, Charaktere, Situationen und Meilensteine aufgegriffen. All die Dinge eben, die den Faden zum Endresultat zusammen spinnen. Für mich waren die wichtigen Meilensteine beispielsweise meine ursprüngliche Unzufriedenheit, der Moment als es Klick gemacht hatte, Menschen die mich beeinflusst haben, die verschiedensten Höhen und Tiefen und einzelne Entscheidungspunkte, die elementar wichtig für meine Weiterentwicklung waren.

Jeden Tag hatte ich mir somit einen dieser Punkte herausgepickt und alles aufgeschrieben was mir dazu einfiel. Ich schrieb über Anekdoten aus dieser Zeit und über meine Gefühle und Ansichten, ob groß oder noch so klein. Ich schrieb soviel bis mir nichts mehr dazu einfiel. 

6. Die Schreibroutine

Ich weiß, es ist schwierig eine Schreibroutine zu entwickeln, wenn das Kreativrad im Kopf noch nicht so spinnt, wie man es gern möchte. Für mich war es doch sehr hilfreich, dass ich mir den ruhigsten Zeitpunkt am Tag fürs Schreiben vorgenommen hatte. Dann war ich mir auch sicher, dass mich garantiert keiner stören wurde – am Abend oder in der Nacht.

Die stille Atmosphäre hatte mit extrem geholfen in meinen Schreibmodus zu finden. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch, die Tischlampe gab mir nur soviel Licht wie ich brauchte und ich startete mit meiner Lieblingsmusik als Ambientepush. Kennst du das wenn dich bestimmte Musik oder bestimmte Gerüche in eine Zeit zurückversetzen? So half mir das auch in meinem Schreibprozess. 

Perfekt war, dass ich mir Nachts kein Zeitlimit setzen musste; jeder schlief, kein Telefon klingelte und ich konnte einfach schreiben bis ich müde wurde. Manchmal hatte das zwei Stunden gedauert, manchmal schrieb ich bis morgens um 5 Uhr.

7. Gehe mit der Story und nicht ausschließlich mit der Struktur

Während es nun hilfreich ist eine Struktur rund um den Buchinhalt aufzubauen, ist es im Schreibprozess umso besser wenn du dich von deiner Geschichte einfach tragen lässt. Jede Geschichte, ob real oder Fiktion, lebt von unseren Gedanken, Erinnerungen und Fantasien, also sollten wir denen auch freie Hand lassen. Gerade bei erfundenen Geschichten geht unsere Fantasie oft ihre eigenen Wege abseits vom Weg für den wir uns vorher entschieden haben.

Ein Buch zu schreiben ist ein Commitment, an das man sich über mehrere Monate (wenn nicht sogar über Jahre) bindet. Jeder arbeitet dabei anders und findet individuell in seine Schreibroutine. Ich für meinen Teil kann sagen, dass Methoden wie diese mir nicht nur in meiner Entwicklung als Buchautorin sehr geholfen haben, sondern sie haben mich auch darin unterstützt, meine Schreibroutine als Journalistin neu aufzurollen.

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